die Debatte um das aktuelle Essay im
Journal of Medical Ethics

Ein Essay im Journal of Medical Ethics hat mich aufgeschreckt und erschreckt. Unter dem Titel „Schäden der aktuellen globalen Anti-FGM-Kampagne“ plädieren 22 Wissenschaftlerinnen und vier Wissenschaftler die Praxis der Genitalverstümmelung nicht mehr Verstümmelung zu nennen, sondern lieber nur noch neutral „Praxis“. Mit dem Höhepunkt an Empathielosigkeit den Anti-FGM Kampagnen, einen ethischen Doppelstandard vorzuwerfen und die Genitalverstümmelung mit kosmetischen Genitaloperationen im Westen zu vergleichen.

kurz zum Thema: Was ist FGM – female genital mutilation?

Weibliche Genitalverstümmelung ist ein destruktiver Eingriff, bei dem die weiblichen Geschlechtsteile teilweise oder ganz entfernt oder verletzt werden. Dadurch soll die sexuelle Lust der Frau verhindert werden. Die Verstümmelung findet meist vor der Pubertät statt, häufig bei Mädchen zwischen vier und acht Jahren, inzwischen auch vermehrt bei Säuglingen, die erst wenige Tage, Wochen oder Monate alt sind.

Betroffen sind Frauen und Mädchen in 26 afrikanischen Ländern sowie in einigen Ländern des Nahen Ostens und in Südostasien. Durch Migration existiert die Praktik heute quasi weltweit.

Warum berührt mich dieses Essay so stark?

Seit über 10 Jahren unterstützen wir vom Tantra-Insitut Jembatan aus die Arbeit von Christa Müller und dem Intact e.V., der Internationale Aktion gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen

Seit vielen Jahren haben wir uns immer wieder mit diesem Thema beschäftigt, da uns im Bereich der Tantramassage, insbesondere der Yonimassage die Unversehrtheit der Frauen und Mädchen, besonders am Herzen liegt, weil wir sehen wie wunderbar es für eine Frau ist, eine empfindsame Yoni zu haben.

Auf unserer Homepage Jembatan.de haben wir viele Informationen zu diesem Thema zusammengetragen.

Nun zu dem Essay. Das Essay „Harms of the current global anti-FGM campaign“ hat seit Ende 2025 eine ungewöhnlich breite und teils sehr scharfe Debatte ausgelöst, sowohl in der Medizinethik als auch in Politik und Aktivismus.

Worum geht es in dem Essay?

Ein Aufsatz im renommierten „Journal for Medical Ethics“ wirft der globalen Bewegung gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) Rassismus und Ethnozentrismus vor und stilisiert FGM zur kulturell schützenswerten Praxis.

26 Soziologen, Anthropologen, Ethnologen und verwandter Disziplinen haben gemeinsam einen viel beachteten Aufsatz im „Journal for Medical Ethics“ veröffentlicht, in dem sie beklagen, der Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung sei von einem „stark rassistischen und ethnozentrischen Weltbild“ getrieben, er übertreibe die Schäden und blende kulturelle Bedeutungen aus. Dies führe letztlich zu rassistischem „Profiling“ und Überwachung von Migranten, Menschen „aus den Communities“ verlören das Vertrauen in das Gesundheitssystem und ihre Stimmen würden „zum Schweigen gebracht“.
. . . Eine Frage bleibt: Was treibt dieses „Journal for Medical Ethics“, das immerhin zum renommierten „British Medical Journal“ gehört, dazu, einen solch gefährlichen und abwegigen Unsinn zu publizieren? Gibt es dort keinerlei ethische Standards oder auch nur Mindestanforderungen an die Überprüfbarkeit von Fakten?

weiterlesen bei WADI

Wadi unterstützt seit über 30 Jahren verschiedene Programme und Projekte zur Selbsthilfe und Stärkung von Menschen- und Frauenrechten im Nahen Osten. 

Sogar die BILD hat dieses Thema aufgegriffen unter dem Titel:
Unfassbare Verharmlosung brutaler Mädchen-BeschneidungForscherinnen kritisieren Begriff „Verstümmelung“

Wer unterstützt oder teilt diese Sicht?

Unterstützung kommt vor allem aus:

  • Teilen der Kulturanthropologie und postkolonialen Ethik,
  • einzelnen Medizinethiker wie Brian D. Earp, die schon länger auf Inkonsistenzen zwischen FGM-Verboten und westlichen Körperpraktiken hinweisen,
  • Aktivisten aus betroffenen Communities, die mehr Selbstbestimmung und weniger Kriminalisierung fordern .

Wie wird gegen das Essay argumentiert?

Die Gegenargumente kommen aus mehreren Richtungen:

1. Medizin & Public Health

  • Ärztliche Fachgesellschaften und WHO-nahe Autoren betonen, dass selbst „mildere“ Formen von FGM mit erhöhten Risiken für Infektionen, Geburtskomplikationen und psychische Traumata verbunden sind.
  • Der Vergleich mit kosmetischer Chirurgie sei medizinisch unhaltbar, da FGM meist an Minderjährigen ohne Einwilligung durchgeführt werde .

2. Menschenrechts- und Frauenrechtsorganisationen

  • Organisationen wie Equality Now oder UN-nahe Gremien argumentieren, das Essay relativiere Gewalt gegen Mädchen.
  • Der Fokus auf Stigmatisierung verschiebe die Aufmerksamkeit weg vom strukturellen Machtgefälle und vom Kinderschutz.
  • Einige Kritiker sprechen von einer „akademischen Normalisierung“ einer Praxis, die klar als Menschenrechtsverletzung definiert sei .

3. Juristische Ebene

  • Gerichte, etwa der ECOWAS-Gerichtshof, haben FGM explizit als Form von Folter eingeordnet.
  • In aktuellen Verfahren (z. B. in Gambia) wird das Essay von Gegnern der Strafgesetze zitiert, was Kritiker als politisch gefährlich bewerten .

Weiter will ich dieses Thema hier gar nicht vertiefen, es gibt umfangreiche Literatur dazu, für alle die sich dieses Thema mal näher anschauen möchten

Ich möchte hier nur meine Erschrecken kundtun und den Impuls weitergeben
dieses wertvolle Thema mal anzuschauen


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